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Institut zur Praxis der Sozialen Plastik - Defining Document

Abstract

Das Institut zur Praxis der Sozialen Plastik beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, individuelle Handlungsräume durch Kooperation zu erweitern. Die technischen Entwicklungen der vergangenen Jahre (Social Media, zunehmende Vernetzung) haben eine "Wiederentdeckung des Kollektivs" im globalen Bewusstsein zur Folge 1. Im Institut sollen Handlungsweisen erprobt werden, die eine Rückführung der Organisationsform des Kollektivs aus der "digitalen Sphäre" in die "greifbare Welt" bewirken. Dem liegt die These zugrunde, dass eine Weiterentwicklung des Menschen in einem ganzheitlichen Sinn nur durch eine Weiterentwicklung der Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwischen Individuen möglich ist.

Hintergrund

Im Sinne einer evolutionären Weltanschauung wird die Zusammenarbeit zwischen Individuen als erster Schritt zur Bildung eines neuen Organismus gesehen – zum Beispiel bei der Entstehung von mehrzelligen Lebewesen aus der Symbiose von Einzellern. Eine Vorraussetzung für die erfolgreiche Arbeitsteilung ist die Erkenntnis des ergänzenden Potentials der unterschiedlichen Fähigkeiten der beteiligten Akteure. Im Beispiel der mikrobialen Zusammenarbeit entsteht diese Erkenntnis spontan durch den Austausch zwischen den individuellen Organismen. In Bezug auf die Zusammenarbeit bei Menschen ist der Prozess der (Selbst-)Erkenntnis in die Gedankenwelt des Individuums verlagert. Der selbstreflektive Prozess der Analyse der eigenen Fähigkeiten steht am Beginn jeder Handlung. Daher wird das Erkennen der eigenen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Einschränkungen als erster Schritt zur erfolgreichen Zusammenarbeit begriffen. Das Kollektiv wird in seiner Definition als "Zusammenarbeit ohne Hierarchie" als die dem (biologischen) Organismus nächste Form der menschlichen Kollaboration gesehen. Das Netzwerk der sozialen Interaktion zwischen den Akteuren ist dabei der Schlüssel zum Erfolg des "Metaorganismus"; der Fokus der künstlerisch-forschenden Arbeit liegt auf dem Prozess der (mehr oder weniger spontanen) Selbstorganisation, der diesem zu Grunde liegt. Das Ergebnis dieses Prozesses wird, in Anlehnung an den durch den Künstler Joseph Beuys geprägten Begriff, als "soziale Plastik" bezeichnet.

Definition

Das Institut zur Praxis der Sozialen Plastik hat sich zum Ziel gesetzt, sich ganzheitlich mit der Entwicklung menschlicher Kollektive zu befassen. Dafür wurde der Zugang über die Kunst gewählt, weil dies die größtmögliche Freiheit im Bezug auf die gewählten Methoden der Auseinandersetzung gewährt.

Die Definition der Kunst als "angewandte Philosophie" erlaubt es, selbstreflexiv am selbst Erlebten zu arbeiten, anstatt sich als sich unbeteiligt wähnende Beobachterin "am Rande des Geschehens" positionieren zu müssen. Des Weiteren wird der künstlerische Schaffensprozess als zentrale Eigenschaft der Kunst begriffen. Die iterative Vorgehensweise dieses Prozesses ist dabei zentrales Werkzeug in der Auseinandersetzung mit dem Thema.

Der "ganzheitliche" Ansatz beschreibt den Versuch, sich dem "Forschungsobjekt" auf allen Ebenen der menschlichen Wahrnehmung zu nähern. Dem zu Grunde liegt die Annahme, dass jedes Phänomen, welches vom Menschen wahrgenommen werden kann, auf alle Bereiche seiner Existenz Auswirkungen hat. Im Umkehrschluss kann etwas nur vollständig verstanden werden, wenn alle Ebenen des Bewusstseins und der Interaktionsfähigkeit in die Erfahrung einbezogen werden. Weiters wird erkannt, dass jegliche Interaktion alle Beteiligten beeinflusst. Eine "objektive" Auseinandersetzung durch eine unbeteiligte dritte Partei ist daher nicht möglich. Es wird daher versucht, durch eine selbstreflexive Herangehensweise, das subjektive Wahrnehmen des Geschehens so weit als möglich auszudehnen.


1

TED talk Rachel Botsman (2010): "What's Mine Is Yours: The Rise of Collaborative Consumption" - http://boingboing.net/2012/02/13/collaborative-consumption-and.html