ludwig technique

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Raumgreifende Kunst

Wie alles seinen Weg findet...

Zur Installation Advanced Blak Magick, 23.4. – 26.4.2014, Freies Theater Innsbruck/VORBRENNER14 im Rahmen der Temporary Space Invasion Ein temporärer interaktiver räumlicher Stimulus (interaktive Rauminstallation) von eekhoorn, ludwig technique, Alexander Roshe u.v.m.

Am Nachmittag des 23. April trafen sich eekhoorn und ludwig technique im Freien Theater Innsbruck, um ein bereits seit Langem geplantes "künstlerisches Experiment" umzusetzen. Die Installation, die sich wenige Stunden darauf im schwarzen Raum des Theaters materialisiert hatte und dort zu wirken begann, war jedoch wesentlich mehr als das. Werkzeuge, Artefakte und Objekte, welche zunächst der "technischen" Notwendigkeit wegen ihren Platz gefunden hatten, ergaben in ihrer Gesamtheit einen Raum, der gleichzeitig Objekt und Performance, Atelier und Kunstwerk war.

\[Um mittels gesprochener oder geschriebener Worte Inhalt und Absicht transportieren zu können, ist die Kenntnis der Definition (Verständnis) dieser Worte bei allen Kommunikationspartnern Grundvoraussetzung. In Bereichen, in denen über *bisher Unbekanntes* bzw *Unbenanntes* kommuniziert wird, müssen Worte und Definitionen oft erst gefunden werden. Wenn im Laufe der Zeit durch ihren Gebrauch in sozialen Gefügen ganze Assoziationsketten zu Begriffen oder Bildern verdichtet werden, kann auch von Memes gesprochen werden.\]

In der künstlerischen Praxis ludwig techniques ist Kunst synonym mit spiritueller Praxis. Sie ist erfahrbar in dem Moment, in dem bei den handelnden Personen der Eindruck entsteht, Objekte würden von allein ihren Platz finden" um einen Ausdruck zu erzeugen. Dabei ist die formelle Rolle ("KünstlerIn", "Betrachter", "Performer" etc.) der Person(en) nicht relevant; genauso wenig wie die Objekte im Raum für sich eine Relevanz haben. Der Ausdruck kann sowohl vorher bestimmt sein, als auch aus dem Moment heraus erfahrbar werden. Alexander Roshe verwendet in seiner Praxis den Begriff der gleich-gültigkeit um den Zustand der Handelnden (Personen) als auch "Be-handelten" (Materie/Material/Werkzeug) in diesem Moment zu beschreiben. Diese und andere Begriffe wurden erst durch den Diskurs im Kollektiv, dem die beteiligten KünstlerInnen zugehörig sind, entwickelt. Ihre Definition und für-Wahr-nehmung mussten sich erst im Bewusstsein der Handelnden etablieren, zu ihrem Fleisch werden, damit es ihnen möglich war den praktischen Diskurs zu führen, der sich in Advanced Blak Magick manifestierte.

Wie viele ihrer Zeitgenossen verstehen Alexander Roshe, eekhoorn und ludwig technique das Kollektiv bzw. die soziale Plastik als essentiell für die Entstehung ihrer Arbeiten. Das rührt daher, dass viele erforderliche Handlungen und Rahmenbedingungen für die Entstehung eines Kunstwerks überhaupt erst durch das Bestehen eines Kollektivs bzw. sozialen Gefüges möglich sind. Advanced Blak Magick konnte entstehen, weil lange vor der Materialisierung bereits "Dinge in Bewegung" waren: physische Objekte veränderten ihre Position im Raum, wurden in die räumlichen Nähe von Anderen gebracht; Menschen tauschten Ideen aus, die soziale Gefüge durchwanderten und dadurch neue Verbindungen entstehen ließen. Diese Beweglichkeit der Ideen wurde durch die Schaffung einer gemeinsamen Sprache ermöglicht. Vorbedingung und "Nebeneffekt" der Entstehung einer solchen gemeinsamen Sprache ist wiederum das soziale Gefüge des Kollektivs. Somit ist Advanced Blak Magick kein Kunstwerk, dessen Urheber (Singlular oder Plural) einfach zu benennen wären. Näherungsweise könnte die Urheberschaft eher als Netzwerk dargestellt werden, in dem Inspiration, Ausführung, Interaktion und Wahrnehmung verschmelzen.

Wie auch in spirituellen Handlungen erschließt sich das Wesen von Advanced Blak Magick jedoch nicht über seine Urheberschaft, sondern durch seine Wirkung, die ausschließlich durch die Handlung und völlige Anwesenheit spürbar wird. Was als die Erprobung einer künstlerischen Technik begann, entwickelte sich spontan zu einem Ausdruck der künstlerischen Praxis der Beteiligten. Der interaktive temporäre und räumliche Stimulus schuf einen Ort, der Menschen zur Interaktion einlädt. Die verschiedenen Möglichkeiten der "Bedienung" lassen die BetrachterInnen durch die Erprobung des Aufbaus ihren eigenen Ausdruck finden. Die Legitimation von Advanced Blak Magick als "Kunstwerk" (sofern es einer solchen überhaupt bedarf) rührt daher, dass die Installation bei allen Anwesenden die eben beschriebene Wirkung entfaltete.

In Demut vor dem Geschaffenen und Dankbarkeit an alle Beteiligten soll hier eine Liste der unmittelbar an der Entstehung beteiligten Personen und Institutionen wiedergegeben werden. Zur leichteren Lesbarkeit werden allgemeinverständliche Begriffe zur Beschreibung ihrer jeweiligen Tätigkeiten verwendet, auch wenn diese aufgrund ihrer "materialisierten" Hierarchisierung womöglich nicht das Ausmaß der Mitwirkung in ihrer Gesamtheit abzubilden vermögen.

Text: Johannes Payr, April/Mai 2014

Idee/Konzeption: Alexander Roshe eekhoorn ludwig technique

Anordnung/Installation: eekhoorn ludwig technique

Objekte/Requisite: Alexander Roshe Cunst&Co